Den Anstoß, mich eingehender mit Fluxus zu befassen, insbesondere in das Leben und Werk von George Maciunas, dem Initiator dieser Kunstbewegung, einzutauchen, gab meine Studie zum Künstlerdrama Christoph Schlingensiefs (1960–2010). Wie später Schlingensief, so ver- und bearbeitete auch Maciunas (1931–1978) sein Krank- und Versehrtsein radikal künstlerisch. Beide waren sie Künstlerpersönlichkeiten, die selbst schwer erkrankt nicht zur Ruhe kamen, nicht zur Ruhe kommen wollten (und konnten): todernste ›Quatschmacher‹, die nach dem Prinzip »Kunst = Leben« alles und jeden, auch das eigene, fragile Selbst, obsessiv zur Schau und zur Disposition stellten. Dabei waren sie beide – der katholisch sozialisierte Schlingensief mehr noch als der Marxist Maciunas – vom Zeremoniellen fasziniert, das sie in ihre Performance- und Theaterarbeiten einzuspeisen suchten.
Für das Online-Portal von Communio – Internationale Katholische Zeitschrift habe ich über Maciunas und die von ihm im Februar 1970 an der Rutgers University inszenierte »Flux Mass« geschrieben: ein Kunstevent zwischen Messparodie und Vaudeville, Blasphemie und Größenwahn. Zum Artikel geht es hier.
Die Sehnsucht nach dem Rituellen ließ George Maciunas nicht los. Wenige Monate vor seinem Tod – er war zu Beginn des Jahres 1978 an Leber- und Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt – feierte er mit der Dichterin Billie Hutching eine legendäre »Flux Wedding« Am 13. Mai 1978 starb der Künstler. Auf seinen Wunsch hin veranstalteten die Freunde eine ihm gewidmete »Flux Funeral«. Es gehört zu Maciunas’ Widersprüchlichkeiten, dass er jede Form von Überhöhung in der Kunst wie in der Gesellschaft ablehnte, mit Fluxus zugleich aber eine Kunstbewegung ins Leben rief, die parareligiöse, ja kulthafte Züge annahm.